"Singer/Songwriter". "Deutsche Texte".
Eigentlich sind das Attribute für eine Art von Musik, mit der ich (und vermutlich auch der geneigte Leser hier) noch nie wirklich viel anfangen konnte.
Aber es gibt Musiker, bei denen diese impliziten Vorurteile einfach nicht angebracht sind, weil die Musik, die sie machen, nicht nur ein Vehikel für eine mehr oder weniger erst gemeinte Botschaft ist, sondern ein Spiegelbild ihres Lebens und der sie prägenden Umgebung.
Wolfgang Michels ist so ein Künster.
Um ehrlich zu sein, war er mir bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich die CD in den Player geschoben habe, fast unbekannt und ich hatte zumindest bewußt noch nichts von seiner Musik gehört. Daher war ich sehr, sehr skeptisch.
Doch die auf der Promo-CD zum Album "michels. zuhause" enthaltenen zwei Songs, welches am 11.04.2008 erscheint, haben mich dann doch sehr positiv überrascht…
Michels lebt seine Musik tatsächlich; die Stimme mal rauh, mal sanft, die Musik im besten Sinne warm und greifbar, niemals kalt und kaputtproduziert und dabei unheimlich lässig und entspannt mit einer enormen Breite an hörbaren Einflüssen, von eher mediterraner oder lateinamerikanischer Inspiration bis hin zu psychedelischer und energischerer Gangart.
Auch textlich sind die Titel so gar nicht mit dem Rest der deutschen Szene zu vergleichen, sondern kommen eher der amerikanischen Singer/Songwriter-Tradition des letzten Jahrhunderts nahe. Also nix mit Liedermacher oder so.
Sicher kommt Wolfgang Michels dabei seine Erfahrung zugute; immerhin ist er schon 57 Jahre alt und macht seit Jahrzehnten unter wechselnden Künsternamen zum Teil recht erfolgreiche Musik.
Auch lebte er einige Jahre in San Francisco und veröffentlichte in seiner Zeit dort zwei englischsprachige Alben, die wohl einen Teil der Einflüsse und Stilelemente seiner Musik erklären. Weitere prägende Einflüsse dürften in der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Rio Reiser zu suchen sein.
All das findet sich nun quasi in einer Art Schmelztiegel in seinem neuen Werk „michels. Zuhause“ wieder: Im besten Sinne gereifte, ehrliche Musik, die offenkundig die Seele und das Leben des Künstlers widerspiegelt und damit definitiv Lust auf mehr macht.
Alles in allem also eine Empfehlung für jeden Leser, der auch mal Lust hat, über den musikalischen Tellerrand der ansonsten hier so vertretenen Musikstile zu hören und vielleicht man unbefangen was anderes auszuprobieren.
Ich werde mir sicherlich noch das ein oder andere Werk von Wolfgang Michels anhören und auch mal die „historischen“ Werke ausprobieren.
Übrigens: Eine gute Möglichkeit, sich einen musikalischen Eindruck zu verschaffen, findet man auf der sehr schönen Website von Michels, auf denen diverse Hörproben zu finden sind.
Webseite: www.wolfgang-michels.de
Myspace: www.myspace.com/wolfgangmichels
(zuhause wurde produziert von Franz Plasa und erscheint am 11. April bei ferryhouse productions (Vertrieb: Warner Music Germany)).